COPD

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Leben mit Atemnot

Etwa fünf Millionen Deutsche leiden an schweren Lungenerkrankungen.

Über die Atmung machen sich gesunde Menschen in der Regel nur wenige Gedanken. Denn nichts scheint so leicht wie das Ein- und Ausatmen. Aber der Prozess, der uns am Leben hält, ist kompliziert. Und unsere Lunge hat Höchstleistungen zu vollbringen, während wir nur sehen, dass sich der Brustkorb hebt und senkt.

Bei chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen erscheint das Atmen nicht mehr wie eine der einfachsten Übungen. Vielmehr ist die Lungenfunktion teilweise so stark eingeschränkt, dass Betroff enen bereits nach kurzer Anstrengung „aus der Puste“ sind. Das Atmen wird zur Qual.

Chronisch lungenkrank?

Das dauerhafte Schädigen der Lunge (durch Tabakrauch, Umweltgifte) führt bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung zu einer chronischen Lungenerkrankung. Durch das beständige Einatmen von lungenbelastenden Schadstoff en kann es zu Umbau- und Entzündungsprozessen in unserer Lunge kommen. Die Schleimhäute schwellen an und produzieren einen zähen Schleim, dem sich der Körper entledigen will. Eine chronische Bronchitis ist die Folge. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht man von einer chronischen Bronchitis, wenn Beschwerden wenigstens zwei Jahre in Folge für drei Monate anhalten. Zu den Beschwerden gehört starker Husten mit Auswurf von zähem Schleim. In diesem ersten Stadium kann man die Erkrankung gut behandeln. Die wichtigste Therapie ist dabei der Verzicht auf den blauen Dunst. Schädigen Patienten die Lunge weiterhin mit Schadstoffen aus dem Glimmstengel besteht die Gefahr, dass sich die chronische Bronchitis Stadium 1 in eine Obstruktive chronische Bronchitis (Stadium 2) verschlimmert. Hier gehen Husten und Auswurf mit Atemnot und körperlicher Leistungseinschränkung einher. Kommt dazu noch ein Lungenemphysem (Überblähung der Lunge, Oberfläche der Lunge ist dauerhaft verkleinert, Sauerstoffgehalt im Blut sinkt) spricht der Arzt von der COPD.

Welche Symptome zeigen eine COPD an?

Zumeist zeigt sich eine COPD durch chronischen Husten, der seit Monaten oder gar Jahren besteht. Häufig ist dieser Husten nach dem Erwachen am stärksten und in Herbst/Winter stärker als in Frühjahr und Sommer. Zu den weiteren Hauptsymptomen zählt der Auswurf von Sputum, einer Absonderung der Atemwegschleimhaut. Verzichten COPD-Betroffene auf das Rauchen, kann sich die Menge des ausgehusteten Sputums vermindern oder gar ganz verschwinden. Weiterhin besteht bei den Patienten häufig eine „Atemlosigkeit“. Bereits nach kurzer körperlicher Anstrengung leiden die Betroffenen an Atemnot. Im weiteren Verlauf einer COPD kann dies zur vollständigen Immobilität führen. Häufig sind auch immer wieder (schubweise) auftretende Lungenentzündungen.

Wie kann man eine COPD diagnostizieren?

Wenn Sie Symptome wie chronischen Husten mit Auswurf und/oder Kurzatmigkeit bei sich beobachten, gehen Sie bitte zu Ihrem Hausarzt. Dieser kann mithilfe eines Lungenfunktionstestes ermitteln, ob und wie stark Ihre Lungenfunktionen eingeschränkt sind. Auch Pneumologen bieten diese Tests an. Zudem wird das Sputum analysiert, um andere Erkrankungen auszuschließen. Denn auch Bronchialkarzinome, Herzinsuffizienz oder die Tuberkulose können ähnliche Symptome wie eine COPD aufweisen.

Therapieoptionen bei COPD

Eine COPD ist nicht heilbar. Dennoch gibt es Möglichkeiten, sie zu therapieren und damit die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Wichtigster Therapiebaustein: Rauchverzicht. Unterstützend wirken Sport und eine gesunde Ernährung. Medikamentöse Therapien dienen der Linderung der Symptome. Zumeist inhalieren Patienten Bronchodilatoren, welche die Atemwege erweitern und somit das Atmen erleichtern. Wenn die ausreichende Sauerstoffzufuhr durch Atmen allein nicht gewährleistet wird, greift die Sauerstofftherapie. Hier erhalten die Patienten über eine Nasenbrille zusätzlichen Sauerstoff. Wenn der Körper von Patienten in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung so geschwächt ist, dass er nicht in der Lage ist, die notwendige Atemarbeit zu erbringen, kommen Beatmungsverfahren zur Anwendung. Leiden Patienten bereits an einem Lungenemphysem, kann eine Ventiltherapie helfen. Dieses Verfahren bieten bislang nur wenige Kliniken an. An den Ruppiner Kliniken wird die Lungenvolumenreduktion mithilfe von in die Lungenlappen eingesetzten Ventilen erreicht. Die Ventile erlauben das Ausströmen von Luft und Sekret, nicht jedoch das Einströmen. Dadurch verkleinern sich die überblähten, erkranten Lungenlappen – der gesunde Teil der Lunge hat mehr Platz sich auszudehnen.

Die Ultima Ratio ist eine Lungentransplantation, bei der entweder ein oder beide Lungenflügel transplantiert werden. Da an COPD-erkrankte Patienten in einem späten Krankheitsstadium häufig an zahlreichen Beschwerden leiden und dementsprechend geschwächt sind, kommt eine Transplantation nur in wenigen Fällen in Betracht.

Bitte denken Sie daran: Einer COPD kann man nur vorbeugen – heilen kann man Sie nicht.


Lungenentlastung durch Ventile & Co.

Verfahren zur Behebung von Luftnot bei einem Lungenemphysem

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Ein Lungenemphysem ist der Endpunkt chronisch obstruktiver Lungenerkrankungen. Bei einem Lungenemphysem sind die Lungenbläschen (Alveolen), an denen der Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid stattfindet, teilweise zerstört und überdehnt, so dass ihre innere Oberfläche verkleinert ist. Es kann nicht ausreichend frische Luft einströmen und nur wenig verbrauchte Luft ausströmen. Chronische Atemnot ist die Folge, unter der der ganze Körper leidet.

„Die Luftnot kann dazu führen, dass Patienten nicht einmal mehr die Kraft haben, ein paar Meter durchs Zimmer zu gehen.“, erklärt Dr. Hagen Kelm, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin der Ruppiner Kliniken. „Der ganze Alltag wird danach ausgerichtet. Die Betroffenen verlassen nicht mehr die Wohnung und überlegen oft lange im Voraus, wie viel sie trinken oder essen, weil ihnen jeder Gang zur Toilette schwer fällt.“

Erleichterung kann hier die Ventiltherapie verschaffen. Sie ist ein in Deutschland vor wenigen Jahren eingeführtes Verfahren zur Behebung der Luftnot bei Patienten mit Lungenemphysem oder COPD. Bei dem Verfahren werden über einen minimalinvasiven Eingriff mittels eines Bronchoskops über Mund oder Nase fingernagelkleine Ventile in die betroffenen Lungengebiete eingesetzt, d. h. in Areale, die nicht mehr funktionieren. Durch die Ventile schwellen die Lungenbereiche ab und blähen sich nicht mehr auf, womit dem gesunden Lungengewebe mehr Raum verschafft wird und es zu einer deutlichen Entlastung der Atembelastung der Patienten kommt. Der Eingriff unter Vollnarkose benötigt in der Regel circa 30 bis 45 Minuten. In mehreren Sitzungen werden nach und nach mehr Ventile eingesetzt. Nach jeder Sitzung kann der Arzt so prüfen, welchen Erfolg die Therapie hat.

Von der Ventiltherapie versprechen sich Mediziner Hilfe für die Patienten, bei denen Medikamente, Atemtraining, Physiotherapie und anderes kaum noch Verbesserung bringen. Die Therapieform ist jedoch nicht für jeden Patienten geeignet. Umfangreiche Voruntersuchungen wie Röntgen, Computertomografie des Oberkörpers und spezielle Untersuchungen der Lunge sind erforderlich, um zu klären, welche Teile geschädigt sind und wie diese Areale sich „stilllegen“ lassen.

Die Langzeiterfolge der Therapie zeigen sich nach und nach. Die Patienten können bis zu 25 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit zurückgewinnen. Eine vollständige Heilung ist jedoch nicht möglich.


Die Lungentransplantation

Letzte Option im Endstadium

Die Lungentransplantation führt zu einer erheblichen Verbesserung des Allgemeinbefindens und der Lebensqualität, denn die meisten schwer lungeninsuffizienten Patienten haben zum Zeitpunkt der Lungentransplantation bereits eine lang andauernde, kräftezehrende Erkrankung mit häufigen Arztbesuchen und regelmäßigen Klinikaufenthalten hinter sich. Die seelischen Befindlichkeiten nach einer Transplantation sind für die Patienten oft eine große Herausforderung, aber doch ein Weg in ein besseres Leben. Die meisten von ihnen akzeptieren relativ schnell, dass sie gewisse Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und in enger Anbindung an die betreuenden Transplantationsärzte leben müssen.

Die Lungentransplantation kommt allerdings nur für ganz wenige Patienten in Betracht. Der Mangel an Spenderorganen macht den Eingriff zur Ausnahme. Für die Aufnahme in die Warteliste muss u. a. ein endgültiges, nicht-rückbildungsfähiges Lungenversagen vorliegen, das eine lebenserhaltende medikamentöse oder apparative Ateminsuffizienzbehandlung erforderlich macht. Zudem eignet sich aber auch nicht jeder Patient trotz entsprechender Grunderkrankung zur Lungentransplantation. Letztendlich führt eine Kombination aus Krankheitsbild, Nebenerkrankungen, Alter, Zustand und psychosozialem Hintergrund zur endgültigen Entscheidung zur Transplantation. Im Jahr 2016 wurden laut Deutsche Stiftung Organtransplantation in Deutschland 328 Lungentransplantationen nach postmortaler Spende durchgeführt. Die häufigste Indikation für eine Lungentransplantation war die chronische obstruktive Lungenkrankheit (COPD). 415 Patienten wurden neu zur Transplantation angemeldet. Etwa eine halbe Million Menschen in Deutschland leben mit einer Lungenerkrankung im Endstadium.

Lange Zeit als „Raucherlunge“ abgetan, gilt COPD heute als eine der schwerwiegendsten Krankheiten weltweit.

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Klinik für Pneumologie
Chefarzt: Dr. Hagen Kelm
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