Thema des Monats Jeden Monat neues Medizinwissen, praktische Gesundheitstipps und aktuelle Nachrichten aus den Ruppiner Kliniken – das bieten wir Ihnen mit dem „Thema des Monats“. Schauen Sie doch gleich einmal hinein – bestimmt ist etwas Interessantes für Sie dabei.
Thema des Monats

Gewebespende

Jede Gewebespende zählt

Ruppiner Kliniken kooperieren mit Gewebebank aus Mecklenburg-Vorpommern

In Deutschland werden jedes Jahr mehr Organe benötigt als zur Verfügung stehen. Im vergangenen Jahr konnte über 3.000 Patienten mit einem Spendenorgan geholfen werden. Weitaus häufiger ist die Transplantation von Gewebe. Jährlich werden 52.000 durchgeführt. In der medizinischen Versorgung werden vor allem Herzklappen, Blutgefäße, Augenhornhäute, Knochen, Sehnen, Faszien sowie Amnionmembranen und Haut nach Aufbereitung zu Gewebetransplantaten eingesetzt.

Seit einigen Monaten gehören die Ruppiner Kliniken zu den kooperierenden Krankenhäusern der Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH/GTM-V). Sie zählt zu den etwa 20 Einrichtungen in der Bundesrepublik, die sich im Bereich Gewebespende engagieren.

Gewebespenden retten Leben

Die Gewebemedizin stellt einen bedeutenden Teilbereich der Transplantationsmedizin dar. Allein in Deutschland werden wesentlich mehr Gewebe als Organe transplantiert. Trotz aller medizinischen Fortschritte ist für viele Patienten nach wie vor die Transplantation von Geweben die einzige Alternative zur Behandlung ihrer Erkrankung und Rehabilitation.

Im Gegensatz zur Organspende werden die Gewebe nicht gleich verpflanzt. In den Gewebebanken werden aus den entnommenen Gewebespenden qualitativ hochwertige Transplantate hergestellt.

Gewebetransplantationen führen vorrangig zu einer Verbesserung der Lebensqualität und zur schnelleren sozialen Reintegration sowie Arbeitsfähigkeit der Patienten und retten in Notfallsituationen Leben.

Hoher Bedarf an Herzklappen

Schädigungen der Herzklappen sind die Folge von Verkalkungen, Infektionen oder Herzinfarkten. Selten besteht eine Schädigung bereits seit der Geburt. Geschädigte Herzklappen können langfristig zu einer Funktionsschwäche des Herzens führen, die die Leistungsfähigkeit der Betroffenen dramatisch reduzieren. Mögliche Therapien sind die Rekonstruktion der Herzklappe im Rahmen eines chirurgischen Eingriff s am Herzen oder der Ersatz der Herzklappe durch ein Transplantat.

Die Entnahme von kardiovaskulärem Gewebe ist bis zu 36 Stunden nach dem Eintreten des Herz-Kreislaufstillstandes möglich. Die Gewinnung von Organen und Geweben des Spenders erfolgt durch einen Eingriff , der mit einer Operation am lebenden Patienten vergleichbar ist. Nur mit größter Sorgfalt entnommene Organe bzw. Gewebe können in der Folge wieder transplantiert werden. Die hergestellten Gewebezubereitungen, Herzklappen und Gefäße sind bei Temperaturen unter -130 °C in Stickstoff gut fünf Jahre lagerbar. Da die Nachfrage allerdings sehr hoch ist, wird die Lagerungszeit in der Regel auch nicht ausgeschöpft.

Blutgefäße als Lebensretter

Wenn Gefäße im Verlauf des Lebens durch Ablagerungen oder Verstopfungen ganz verengen, ist dies insbesondere gefährlich für Herzen sowie für Extremitäten wie zum Beispiel die Beine. Am Herzen können die Verstopfungen zu einem Infarkt führen. An den Beinen führen Gefäßverengungen oder -verstopfungen zu Schmerzen und eingeschränkter Bewegung, in fortgeschrittenen Fällen droht die Amputation.

In der Gefäßchirurgie werden durch Bypassoperationen menschliche Blutgefäße genutzt, um verengte oder verstopfte Blutgefäße zu ersetzen. Ebenso werden Transplantate bei Gefäßrekonstruktionen, vor allem beim Ersatz von infi zierten Kunststoff prothesen, verwendet. Letztere sind oft lebensrettende Notfalloperationen.

Sehnen und Bänder gegen Versteifungen

Sie werden transplantiert, um die Stabilität und Beweglichkeit von Gelenken zu erhalten oder wiederherzustellen und um künstliche Versteifungen der Gelenke zu verhindern. Knochenmaterial ersetzt verlorenes Gewebe unter anderem nach Unfällen oder Tumoroperationen und bewahrt Patienten vor Amputationen. Selten, aber lebensnotwendig, ist die Verwendung der bindegewebigen Hülle des vorderen Oberschenkelmuskels für den sofortigen operativen Verschluss von beispielsweise angeborenen Defekten der Bauchdecke bei Neugeborenen.

Augenspende bewahrt vor Erblindung

Die Hornhaut gilt als Windschutzscheibe des Auges. Ist sie gleichmäßig gekrümmt und völlig klar, ermöglicht sie ein optimales Sehen. Erkrankungen wie Hornhautkrümmungen oder -trübungen können verschiedene Ursachen haben und führen unbehandelt über eine herabgesetzte Sehschärfe zur Erblindung. Eine Hornhauttransplantation kann Patienten davor bewahren oder ihnen das Augenlicht zurückgeben. Dabei wird die erkrankte Hornhaut oder Teile von ihr durch eine Spenderhornhaut ersetzt.

Defekte Haut ersetzen

Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Für die Versorgung von Patienten mit schweren großflächigen Hautdefekten, etwa nach Verbrennungen sowie bei chronischen nicht heilenden Wunden, ist oft eine Hauttransplantation nötig. Dabei kann bei Verbrennungen, die mehr als 70 % der Körperoberfläche betragen, eine Hautspende sogar Leben retten. Tumorbedingte Weichgewebsverluste und Leistenbrüche können ebenfalls mit Hautpräparaten erfolgreich behandelt werden.


Schritt für Schritt von der Spende zum Stoff des Lebens

Wie die moderne Medizin verschiedenste Gewebetransplantate aufbereitet und damit Hunderttausenden Menschen zu neuer Lebensqualität verhilft

Gewebetransplantationen können die Gesundheit von Patienten deutlich verbessern – und dabei in vielen Fällen sogar deren Leben retten. Die Spannbreite der Gewebearten, die transplantiert werden können, ist enorm. Ob Augenhornhaut oder Knochen, ob Weichteilgewebe oder die Eihaut der Fruchtblase – die heutige Medizin eröffnet enorme Möglichkeiten, um Menschen, die auf eine Transplantation angewiesen sind zu helfen.

Bevor das gespendete Gewebe allerdings zum Einsatz kommt, bedarf es einiger gezielt aufeinander abgestimmter Schritte. Dabei geht es einerseits darum, das Transplantat für den Empfänger aufzubereiten und es andererseits über Wochen oder Jahre in speziellen Gewebebanken lagerungsfähig zu machen. Doch wie funktioniert die Aufbereitung im Einzelnen?

Hornhauttransplantate

Ist die Hornhaut erkrankt oder vernarbt, kann sie durch eine klare gesunde Spenderhornhaut ersetzt werden – ein Routineeingriff, der weltweit etwa 100.000 Mal pro Jahr durchgeführt wird. Dazu wird die Hornhaut mit einem Rundmesser gelöst, in einem speziellen Halter befestigt und in eine Flasche mit nährstoffreicher Lösung gegeben. Nach 10 bis 14 Tage ist die Hornhaut transplantationsbereit und 28 Tage lagerfähig. Findet sich der passende Empfänger, wird sie in einem Transportmedium auf direktem Wege zum behandelnden Arzt geliefert.

Herzklappentransplantate

Passt die Klappe des Spenders im Durchmesser zu der des Empfängers, wird sie herausgelöst und 24 Stunden mit einer antibiotischen Lösung behandelt, um Bakterien abzutöten. Danach wird das Transplantat bei -150 °C in flüssigem Stickstoff eingefroren. Auf diese Weise ist sie gut fünf Jahre haltbar. Ab 2019 kommt die Dezellularisierung zum Einsatz – ein chemisches Verfahren, das die Klappe nach 10 bis 14 Tagen von allen Zellen befreit, die eine Abstoßungsreaktion auslösen könnten. Ein Einfrieren ist dann nicht mehr nötig.

Hauttransplantate

Beim Spenderorgan Haut wird die Dezellularisierung hingegen schon heute angewendet. Derart behandelt, kann die transplantierte Haut kleinere und größere Wunden heilen – zum Beispiel bei Patienten mit Arterieller Verschlusskrankheit. Die Haut wird von körpereigenen Zellen besiedelt, und die Wunde wird geschlossen. Der Bedarf an Hauttransplantaten ist enorm, allein in Deutschland leiden über 800.000 Menschen unter chronischen Wunden.

Transplantatgewinn aus Eihaut der Fruchtblase

Ein Transplantat, das aus einem Amnion, also der Eihülle der Plazenta, gewonnen wird, kann zum Beispiel helfen, Geschwüre auf der Hornhaut zu behandeln. Diese Eihaut kann nach einer Entbindung durch Kaiserschnitt gespendet werden. Aus einer einzigen Eihülle können 50 bis 100 Transplantate gewonnen werden.


Wichtige Fragen für die richtige Entscheidung

Wissenswertes für potentielle Gewebespender und deren Angehörige

Die Akzeptanz für Gewebespenden ist in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg deutlich gestiegen. Die gemeinnützige Gesellschaft für Transplantationsmedizin MV erhielt im vergangenen Jahr 2.233 Spendermeldungen aus den Kliniken des Netzwerkes, eine Steigerung zum Vorjahr um fast 50 Prozent. Mit den hergestellten Transplantaten konnte mehr als 2.000 Patienten geholfen werden. Die Spende von Gewebe ist im Gegensatz zur Organspende noch bis zu 72 Stunden nach dem Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems (Klinischer Tod) möglich. Somit kommen für eine Gewebespende potentiell rund zwei Drittel aller Verstorbenen infrage.

Was passiert mit dem entnommenen Gewebe?
Zugelassene Gewebebanken stellen daraus Transplantate her, die bis zu fünf Jahre lang gelagert werden können und somit jederzeit bereitstehen, um Leben zu retten.

Gibt es Altersgrenzen fürs Spenden?
Gewebe kann bis ins hohe Alter gespendet werden, entscheidend ist der funktionelle Zustand des Gewebes zum Zeitpunkt des Todes. Nach unten gibt es keine Altersgrenze. Bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr entscheiden die Eltern über die Zustimmung oder Ablehnung zur Gewebespende.

Welche Vorerkrankungen dürfen vorhanden sein?
Über die Eignung des Gewebes trotz einer Vorerkrankung des Spenders entscheidet ein Arzt der Gesellschaft für Transplantationsmedizin.

Entstehen bei einer Gewebeentnahme Kosten?
Sowohl Spendern als auch Angehörigen entstehen keinerlei Kosten.

Wie verhält es sich mit der Abschiednahme vor oder nach einer Gewebeentnahme?
Die Abschiednahme von einem verstorbenen Angehörigen ist immer möglich – auch im Hinblick auf die Sorge um ein möglicherweise entstelltes Aussehen des Spenders. Eine Gewebespende verändert es nicht. Auch beeinflusst sie in keiner Weise die Planung oder Durchführung des gewünschten Ablaufs einer Trauerfeier. In Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Bestattungsunternehmen koordiniert die Gesellschaft für Transplantationsmedizin sämtliche Abläufe.

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